Dort, wo der Pfeffer wächst - über “gewürzte” Sprichworte

Mittwoch, 20. Mai 2015

Dort, wo der Pfeffer wächst - über “gewürzte” Sprichworte

Gewürze begleiten den Menschen seit Jahrtausenden. Sie wurden schon lange, bevor sich der Mensch sesshaft machte, verwendet. Zwei Gewürze stechen dabei besonders heraus: Salz und Pfeffer. Diese beiden sind heute praktisch nicht mehr wegzudenken. Man findet sie in jedem Haushalt und auch in Restaurants und Gaststätten erwarten sie uns schon auf den Tischen. Wie sehr diese beiden Gewürze das Leben des Menschen beeinflusst haben, zeigt auch eine Reihe von Sprichwörtern. Ein paar davon haben wir uns genauer angeschaut.

Scher dich dahin, wo der Pfeffer wächst

Sich dorthin zu scheren, wo der Pfeffer wächst, ist gar nicht so einfach. Denn nur die Wenigsten wissen, wo dieser Ort eigentlich liegt. Gemeint ist Indien, denn zur Zeit, als dieses Sprichwort entstanden ist, war Indien praktisch das Ende der bekannten Welt. Das weist auch schon auf die Bedeutung dieses Sprichworts hin. Es geht darum, dass jemand verschwinden und nicht zurückkommen soll.

Da liegt der Hase im Pfeffer

Diese Redensart bezieht sich in erster Linie auf die Speise, also den mit Pfeffersauce bedeckten Hasen. Die dahinterstehende Metaphorik lässt sich nicht auf den ersten Blick erschließen. Das Sprichwort bezieht sich auf den Umstand, dass man einen Hasen, der vollkommen mit Pfeffersauce bedeckt ist, nicht mit der Nase identifizieren kann. Es geht also darum, die wahre Ursache eines Problems, seine Quelle, erst später zu erkennen. Dieses sprachliche Bild ist schon aus dem Mittelalter überliefert. Das Sprichwort bedeutet also “Da liegt das Problem.” Es wird weiters dafür verwendet, um auf eine Aufgabe hinzuweisen, die wegen einer leicht zu übersehenden Schwierigkeit nicht erledigt werden kann.

Pfeffer im Hintern haben

Dieser Ausspruch wird natürlich im übertragenen Sinn verwendet. Umgangssprachlich ist damit gemeint, dass jemand voller Energie und Tatendrang ist, dass jemand nicht stillsitzen kann. Dieses Sprichwort hat eine durchaus positive Konnotation.

Mit jemandem einen Scheffel Salz gegessen haben

Grundsätzlich dauert es ziemlich lange, bis man einen Scheffel Salz gegessen hat. Damit ist also die Zeitspanne gemeint, die man braucht, um jemanden genau kennen zu lernen. Diese Redensart war bereits in der Antike bekannt und es gibt heute mehrere Sprichwörter, die Varianten dieser Aussage sind.

Salz in die Wunde streuen

Seit dem Mittelhochdeutschen wird Wunde auch auf seelische, innere Verletzungen bezogen. Es geht darum, jemandem seine Unzulänglichkeiten und Fehler vorzuführen oder wieder ins Gedächtnis zu rufen. Das führt zu weiteren schmerzhaften Erlebnissen. Es ist nicht besonders nett, jemandem Salz in die Wunde zu streuen.

Jemand hat es im Salz liegen

Dieses Sprichwort wird heute nur mehr selten verwendet. Früher war es aber weit verbreitet. Es bedeutet, dass jemand für etwas noch nicht zur Rechenschaft gezogen wurde, dass ein Streit noch nicht ausgetragen wurde oder dass eine alte Rechnung noch beglichen werden muss. Früher wurde Salz oft zur Konservierung von Lebensmitteln verwendet. Das Liegen im Salz stellt damit eine Metapher für die Erinnerung an einen unausgetragenen Streit dar. Sinnbildlich ist diese Aussage der Redensart “sein Fett wegkriegen” nahe, wenn sie mit der Bedeutung “Strafe” verwendet wird.

Das Salz in der Suppe/Jemandem das Salz in der Suppe nicht gönnen

Das erste Sprichwort bedeutet ganz einfach das Beste oder die ideale Ergänzung. Gönnt man jemandem das Salz in der Suppe nicht, heißt das, dass eine Person einer anderen nicht einmal das Geringste zugesteht.